Weihnachten in Afrika ... - Accra-Osu/Ghana

Advent 7. Weihnachten in Afrika ... Accra-OsuIm Sommer 2002 war eine Chorgruppe von Kinduku in Ghana. Anders als bei vorherigen Reisen war diesmal Accra für uns eine feste Station, nicht nur Ort des Flughafens und des Marktes für Kunsthandwerk, den man als Europäer kurz vor dem Rückflug noch gerne besucht. Diesmal waren wir Gäste in einer der katholischen Gemeinden Accras: St. Peter im Stadtteil Osu.

„Welcome Kinduku“ war schon ein großes Schild gemalt, als wir ankamen, und wir hatten erlebnisreiche Tage. Der Grund, nach Osu zu kommen, war Beulah, eine Sängerin, die – aus Ghana stammend, aber seit langem in Deutschland – in unserem Chor schnell die Position der „Chor-Mama“ installierte und ausfüllte. So schlecht es ihr gesundheitlich oft ging, so herzerfrischend war ihr Engagement bei allem, was wir gemeinsam auf die Beine stellten. Sobald es auf etwas anzustoßen galt, es irgendetwas zu essen oder zu trinken gab, Beulah hatte unbemerkt die passenden Servietten zur Hand. Und Lollis für die damals noch vielen kleinen Chor-Kinder.

Nach Jahren in Deutschland zog es sie aber immer mehr in die Heimat ihrer Familie, eben nach Accra-Osu. Dort war sie eine „Madame“, die in schicken afrikanischen Wachsbatik-Kleidern und mit gemäßigtem Schritt Dinge regelte, als gelernte Hebamme auch hier ein besonders Herz für die Kinder (und Mütter) hatte und unter anderem – Gäste empfing. So uns 12 tendenziell klimatisch überforderte Mitteleuropäer, die nun endlich auch jemanden in Accra kannten.

Am Sonntag, den wir in St. Peter mitfeierten, erlebten wir eine typisch ghanaische Messfeier, mit Musik, Tanz und vielen wachen Leuten, deren Art der spirituellen Teilnahme eine – wie überall in Afrika üblich – nach außen sichtbare ist. Eine von Beulah und ihrem Mann Max aus Deutschland mitgebrachte neue Marien-Figur wurde der Gemeinde übergeben und der Jubel war unbeschreiblich. Auch wir durften einige ghanaische Lieder zum Gottesdienst beisteuern und am nächsten Tag erschien die Tageszeitung „The Standard“ (8.9.2002) mit dem Titel „German group sings Mass in Twi at Osu“ (s. Bildergalerie auf der Kinduku-Homepage).

Nun waren wir Weihnachten natürlich längst zu Hause, aber Beulahs Mann Max berichtet über ein Weihnachtsfest ebendort: „Ich habe mehrmals mit Beulah Weihnachten in Afrika gefeiert. Besonders eindringlich ist mir in Erinnerung geblieben, als wir eine Holzkrippe (die Figuren glichen von der Größe her 12jährigen Kindern) nach St. Peter gebracht haben. Es war damals die Krippe mit den größten Figuren in Accra. Der Holzstall, den ein Schreiner hier in Köln dafür angefertigt hatte, hatte die Größe eines Ziegenstalls in Ghana. Von daher gab es vielerlei Verwechslungen. Die Figuren trugen kostbare Textilkleidung, die Könige brachten vergoldete Geschenke, deshalb musste immer ein Wächter an der Krippe sein. Am Weihnachtstag kam eine Unzahl von Menschen in die Kirche, um sich zusammen mit den Figuren fotografieren zu lassen, zum Teil saßen sie dabei sogar im Stall (er war ja sehr groß).“

Dies kann sich bildlich vorstellen, wer einmal gesehen hat, welche Kulissen es in manchen Fotostudios in Ghana gibt. Zimmereinrichtungen, Urlaubskulissen, Flughafenszenen – alles kunstvoll mit Pinsel und Farbe und so groß gemalt, dass der zu Fotografierende durch eine bestimmte Position und Körperhaltung Teil der Szene wird. Natürlich deutlich sichtbar nur der gemalten, aber doch immerhin der Szene. Nichts anderes war wohl die Idee des Franz von Assisi, der 1223 zum ersten Mal die Stallszene der Geburt nachstellte und damit die Krippendarstellungen erfand: sich hineinzudenken, später würde man sagen: hinein zu versenken, in die Szene der Geburt Jesu, Teil dieser Szene zu werden.

(Beulah starb im Sommer 2007 in Accra.)

Georg Wißkirchen/Prof. Maximilian Buchka