Weihnachten in Afrika ... - Benin

Advent 3. Weihnachten in Afrika ... Benin Benedikt der XVI. war vor ein paar Monaten in Benin, um das 150. Jubiläum der Mission in Benin zu feiern – Benin war damit unter den frühen Ländern an Afrikas Westküste, die missioniert wurden. In 150 Jahren kann eine Tradition entstehen. Damit ist klar, dass auch Weihnachten unter den Tropen in Benin schon eine Tradition geworden ist. Die Christen, aber auch die Nichtchristen feiern Weihnachten in Benin.

In Benin wird Weihnachten auch als ein Fest für Kinder verstanden. In vielen Familien, auch nicht christlichen Familien, bekommen alle Kinder zu Weihnachten neue Kleider. Die Schneider und Schneiderinnen haben den ganzen Monat Dezember über richtig viel zu tun; man merkt, dass es Weihnachten wird, wenn die Nähmaschinen in den Schneiderläden bis tief in die Nacht laufen. Die richtig Begehrten unter ihnen schaffen es nicht, die Anfragen aller Kunden zufrieden zu stellen und die zum Schneidern bestellten Kleider alle rechtzeitig zum Fest zu liefern. Wenn die Familien erst kurz vor Weihnachten das Geld für die Stoffe beisammen haben, wird es kompliziert. Die Stoffe stapeln sich in den Schneiderateliers, der Schneider wird sagen, dass er natürlich rechtzeitig fertig wird, die Lehrlinge müssen in der Werkstatt übernachten und nachts weiter arbeiten, aber alles kann doch nicht fertig werden. Deshalb gibt es auch viel Ärger in dieser Zeit. In unserer Familie waren wir aber früh dran.

Minuit-Chrétien, wie es in Benin heißt, Christmette, ist ein sehr beliebter Gottesdienst und man muss sich, wenn man nicht die ganze Zeit stehen bleiben will, sehr früh auf den Weg machen.
Die Kirchen sind auch an normalen Sonntagen voll, aber besonders an den Weihnachtstagen.
Als Kind, bevor wir zur Minuit-Chrétien gingen, haben wir zwei große Bananenbäume links und rechts vor unser Haus gestellt. Die Stauden wurden mit dem Stamm in die Erde gesteckt  und jeder Baum wurde mit einer Palmöllampe versehen. Wir schnitten große unreife Papayas auf, höhlten sie aus, taten einen Docht und Palmöl hinein und befestigten sie mit gebogenen Palmfasern an der Bananenstaude. Diese Öllampen brannten die Nacht durch, oft bis zum nächsten Morgen. Woher diese Tradition kommt, weiß ich nicht. Die meisten Nachbarn machten das. Danach liefen wir Kinder durch die kleinen Hinterstraßen von Ouidah zur Kathedrale.

Das Weihnachtsessen ist meistens ein Festessen, das heißt, alles, was man nicht oft isst. Diejenigen, die zum Beispiel selten Fleisch essen, tun alles, damit es an diesem Tag Fleisch und genug davon zu essen gibt und auch sonst alles, was man sonst nicht oft zu essen bekommt. Perlhuhn und Rindfleisch mit rotem Maisbrei war bei uns ein solches Festessen.

Nachmittags, nach dem Essen, haben wir jüngeren Kinder, mein Bruder und ich, die Verwandten besucht, unsere verschiedenen Tanten mütterlicherseits und väterlicherseits in Ouidah, und sie haben uns Essen und Geld zu Weihnachten gegeben. Aber nach zwei oder drei Besuchen wurde es schon dunkel und wir mussten langsam wieder nach Hause gehen.

Rigobert Aiwanou