Weihnachten in Afrika ... - Mali

Advent 1. Weihnachten in Afrika ... Mali Am Beispiel der Kleinstadt Kati, 20 km von der Hauptstadt Bamako entfernt

Zu Besuch bei der Familie Sidibé im Christenviertel Kati-Mission – es ist Heiligabend, ca. 21.00, seit gut zwei Stunden schon stockdunkle Nacht mit wenig offizieller Beleuchtung, dafür vielen informellen Lichtquellen wie offene Feuerstellen mit brodelnden Kochtöpfen, Petroleumlampen an den Essverkaufsständen auf der Straße, Scheinwerfer der unzähligen großen und kleineren mottos, welche sich ihren Weg zwischen Schlaglöchern, Fußgängern und umherziehenden Ziegen suchen. Das Viertel brummt wie jeden Abend, denn es ist ein lauer „Winterabend“ mit frischer Brise, wer kann, sitzt an der frischen Luft, klönt mit Familie, Nachbarn und Freunden und genießt die Geselligkeit. Heute aber kommt eine spürbare Spannung und Vorfreude dazu: Es ist der 24. Dezember. Die Glocken der nahe gelegenen Kirche der „Mission“ (ursprünglich von italienischen Patres gegründet) rufen zur Christmette, die unter freiem Himmel neben der Kirche in einem offenen Atrium ausschließlich bei Kerzenlicht stattfinden wird. Balafon und Trommeln sind schon von weitem zu vernehmen, der Kirchenchor singt und wiegt sich in „uniform“ (allesamt weibliche Mitglieder in festlichen weißen Kleidern), während die KirchgängerInnen sich vorsichtig durch die Dunkelheit tasten und mit Taschenlampe nach Sitzplätzen Ausschau halten. Nach gut zweistündiger Messe, Krippenspiel und Predigt (auf Bambara selbstverständlich) ist es vorbei mit der Besinnlichkeit: Kurz vor Mitternacht holen die Jugendlichen die bereitgestellten Musikboxen auf die Straße und laden Nachbarschaft, Freunde, Anverwandte ein zur öffentlichen „soirée dansante“.

Diese wird kurz vor der Dämmerung mit kurzer Nachtruhe unterbrochen. Ab dem frühen Morgen ist dann ein reges Treiben im Hof angesagt: Das große Festessen für den heutigen Mittag muss vorbereitet werden, Männer und noch viel mehr Frauen sind auf den Beinen, um Reis zu waschen, Hühner abzuziehen, Unmengen von Zwiebeln und Knoblauch zu hacken... Schließlich soll das Essen für viele Menschen reichen. Hinter dem Haus stehen gegen Mittag 6-7 große marmites auf dem Feuer (Eisenkessel mit ca. 70 cm Durchmesser, die üblicherweise für Hochzeits- und Beerdigungsessen herangeholt werden). Die Frauen unterbrechen ihre Kochtätigkeiten immer wieder, um Gäste zu begrüßen oder zu den von Haus zu Haus ziehenden Trommlern eine kurze Tanzeinlage zu geben (jetzt zeigen auch die alten Damen ihr Können: Röcke flattern hoch, Staub wirbelt unter den Füßen auf und die umstehenden Gäste feuern an…). Nachbarn, Freunde, Bekannte – ob Christ, Moslem oder einer anderen Religiosität verbunden – kommen und gehen, der eine bleibt, der andere grüßt nur kurz, lässt seine Segenswünsche vor Ort und zieht weiter… alle in wunderschöner Festtagskleidung und Hochstimmung.

In der Boutique nebenan läuft der Fernseher und der Präsident richtet seine Festtagsgrüße an die „christlichen Schwestern und Brüder unter uns“, neben ihm auf dem Bildschirm thront ein geschmückter Tannenbaum aus Plastik… (Mali ist mehrheitlich muslimisch, die Christen bilden eine Minderheit von ca. 5%!)

Lioba Engels-Barry