Weihnachten in Afrika ... - Togo

Advent 4. Weihnachten in Afrika ... Togo Hallo, ich bin Agnès aus Togo. Ich bin in dem Dorf Adomi-Abra Uhi auf dem togoischen Hochplateau, in der Region Akposso, aufgewachsen. An die Weihnachtsfeiern meiner Jugend in den Achtzigerjahren erinnere ich mich gerne zurück.

Die Weihnachtszeit fing bei uns immer mit einer großen Feier am ersten Advent an. Richtig los ging es dann aber zwei drei Tage vor Weihnachten. Die Mädchen unseres Dorfes, alle so zwischen 12 und 16 Jahren alt, gingen dann gemeinsam an den Fluss, um einen speziellen Kreidesand am Ufer auszugraben, mit dem alle Häuser des Dorfes geweißt wurden. Der Sand wurde von unseren Eltern mit der Hand sowohl an der Außen- als auch an der Innenwand aufgebracht, so dass tagsüber alle Häuser hell in der Sonne glänzten. Die Häuser wurden dabei oft mit den unterschiedlichsten, sehr filigranen Mustern verziert. Meine Mutter war eine echte Meisterin dieser Kunst. Die Jungs durften beim Kreideholen übrigens nicht dabei sein, weil wir Mädchen bei der Arbeit am Fluss nur sehr knapp bekleidet waren.

Nach der Kreidesuche holten wir Mädchen dann, wieder etwas züchtiger gekleidet, gemeinsam mit den Jungen Holz aus dem Wald, mit dem unsere Mütter am ersten Weihnachtstag das Weihnachtsmahl zubereiten würden.

Am 24. Dezember zogen wir unsere neuesten traditionellen Kleider an, die unsere Eltern uns zumeist extra für Weihnachten besorgt hatten, und gingen dann um 22 Uhr in den Gottesdienst. Dort herrschte immer eine sehr feierliche Atmosphäre. Es war dort nie langweilig und nach der Messe ging der Heilige Abend dann richtig los.

Um 0 Uhr zogen zunächst alle Bewohner unseres Dorfes im Mondschein zum Dorfplatz und unsere Eltern gingen dann peu a peu nach Hause. Die Jungen aus unserem Dorf mussten jetzt jeder aus der Küche der eigenen Mutter ein wenig Holz abzweigen und anschließend damit wieder auf den Dorfplatz zurückkommen. Wer kein Holz mitbrachte, wurde dazu verdonnert, am nächsten Tag um so mehr Holz zu besorgen. Mit dem „geborgten“ Holz wurde dann ein großes Feuer angezündet, vergleichbar den Osterfeuern hier, und wir haben die ganze Nacht hindurch gesungen und getanzt. Den „Akbé“ tanzten wir dabei alle zusammen im Kreis, den „Tumba“ tanzten Mädchen und Jungen zu zweit. Die Jungen grillten in der Glut Maniok und Enyam und teilten es mit uns Mädchen.

Gegen 5 Uhr morgens am ersten Weihnachtsfeiertag, wenn die Sonne langsam wieder aufging, brachte jeder etwas Glut nach Hause, wo die Mütter schon die Küche vorbereiteten. Danach gingen wir, diesmal Jungen und Mädchen gemeinsam, hinunter zum Fluß, um dort Wasser zum Kochen für unsere Mütter zu holen.
Um 8 Uhr wurde dann gegessen, zumeist Reis, Fufu und eine Akposso-Spezialität namens Fonyo, zusammen mit Rind- oder Ziegenfleisch. Und um 9 Uhr ging es dann wieder ab in den Gottesdienst.

Nach dem Morgengottesdienst sind wir Mädchen in Gruppen singend von Haus zu Haus durch das Dorf gezogen. Für den Gesang wurden wir an jedem Haus mit kleinen Geschenken und Geld bedacht. In einem Haus wurde immer Palmwein ausgeschenkt, was zu einem unglaublichen Geschnatter und Gekicher unter uns Mädchen führte. Spätestens dann sind aber auch die stärksten von uns langsam eingeschlafen.

Eine Woche später, an Silvester, wiederholten wir das Ganze dann gleich noch einmal.

Agnès Kabambe