Weihnachtlicher Zwischenruf

Advent - Zwischenruf 14 Kerzen an, Advent gelaufen, Ankunft da. Weihnachten und Schluss! – Wie aber, wenn es anders wäre? Wenn plötzlich mehr als 4 Kerzen auftauchten? Wenn das Warten noch länger dauerte und der Gast doch noch ausbliebe?

Da wir mit dem Adventskerzen-Rhythmus gegangen sind, etwas Historie: Den Adventskranz hat, so ist überliefert, 1839 der evangelische Pfarrer Johann Hinrich Wichern „erfunden“, um den von ihm betreuten Waisenkindern die Zeit des Wartens anschaulich zu machen. Ursprünglich in evangelischen Gegenden Deutschlands zu Hause, breitete er sich ungefähr 100 Jahre später auch im katholischen Raum aus. Heute sieht man ihn also überall. Ursprünglich als Kranz – auf einem alten Wagenrad –, findet man heute auch andere Kerzen-Anordnungen, gerne z.B. als Reihe. Sobald es 4 Kerzen sind und diese zur richtigen Jahreszeit teilweise oder ganz brennen, erkennt man sie als Adventskranz.

Es gibt natürlich ähnliche Gewohnheiten und überhaupt die Symbolik des Lichts als Lebenszeichen in vielen Religionen, Traditionen und Ländern. Wie wir in den Beschreibungen zu „Weihnachten in Afrika“ lesen konnten, auch in solchen, wo um Weihnachten herum die Nächte gar nicht länger sind als im Sommer und wo es dazu gar keine winterliche Kälte gibt, die die Wärme des Lichts zum zusätzlich Ersehnten machte. Auch hier, ohne dunkle Jahreszeit, spricht das Licht für sich. Eindrücklich die Schilderungen der Christmette bei Kerzenlicht in Mali und Uganda und des nächtlichen Dorffeuers im togoischen Adomi-Abra, dessen Holz aus den Familien kommt und dessen Glut zurück in die Familien getragen wird.

Für den Adventskranz, den ersten in Hamburg (im 1833 von Wichern gegründeten „Rauhen Haus“), wie für unsere, liegt es nahe, eine bestimmte, nicht afrikanische Lichter-Tradition als Vorbild zu sehen: das jüdische Chanukka-Fest, an dem an 8 aufeinanderfolgen Festtagen jeweils eine Kerze mehr entzündet wird. Der Chanukka-Leuchter (mit 8 Tages- und einer Dienerkerze) geht in Form und Herkunft wiederum auf die Menora zurück. Dieser siebenarmige Leuchter, der zum Beginn des Schabbat entzündet wird und „das jüdische Kultzeichen par excellence“ (Michael Goldberger) darstellt, ist von Urzeiten an Zeichen der Gegenwart Gottes. Vom Offenbarungszelt (dem Ort Gottes bei seinem Volk im Sinai) über den ersten und zweiten Tempel in Jerusalem bis zu Synagogen und Häusern heute und weltweit. (Über die erste Menora kann man lesen in Ex 25,31ff. und Ex 37,17ff.)

Und unser kleiner Kinduku-Adventskranz – was sind das überhaupt für seltsame, schwarze Kerzen? – entpuppt sich nun, im etwas weiter gewählten Bildausschnitt, auch als 7-teilig. „Hatten wir etwa noch nicht genug Advent?“ – „Es hat keinen Zweck, Weihnachten lässt sich so nicht hinauszögern!“, höre ich da die Festmüden und Realisten sagen. Andererseits: Mit Weihnachten ist es ja tatsächlich nicht vorbei, sondern fängt erst an. Ein Leben, die ganze Geschichte. Auch das Warten, das Üben, das Vorbereiten nimmt nicht wirklich ein Ende. Zum „Ich bin das Licht der Welt!“ (Joh 8,12) gehört das „Ihr seid das Licht der Welt!“ (Mt 5,14).

Verlängern wir also ruhig die Zeit des Lichter-Entzündens und machen uns bewusst, dass es eben noch nicht gelaufen ist. Auch wenn man sich dem Kinderreim „Und wenn das fünfte Lichtlein brennt ...“ aussetzt. Gegen den Wunsch des Erledigt-Habens und die im Fest auch wieder erwachende Alltags-Sehnsucht bleiben wir noch einen Augenblick adventlich gestimmt. Von wegen „verpennt“! Jetzt gerade ist Wachheit gefordert, um zu sehen und zu realisieren, wie es weiter geht, mit dem Kind und uns. Gerade der Tag „danach“, der zweite Weihnachtstag, der des Stephanus, wirft ja die Frage des Realisierens auf. Wenn allenthalben um verfolgte Christen in der Welt gebetet wird, ist gleichzeitig Menschenrechtstag. Und da gibt es noch viel zu realisieren!

Neben den genannten gibt es übrigens noch einen letzten Ort der Menora: den zukünftigen Tempel, den wir alle – Juden wie Christen – weiter erwarten. (Sacharja sieht ihn wieder ausgestattet mit der Menora, Sach 4,2). – Wir bleiben also noch bei der Geschichte, wach und wartend.

(Und die Kinduku-Infos? – ... folgen in den nächsten Tagen weiter der Spur und sammeln Berichte über „Weihnachten in Afrika“. Wer noch einen Beitrag verfassen will, sei herzlich eingeladen!)

Georg Wißkirchen